Akkustand – kleine Routinen, die unsere Beziehung retten
- Monika Wittwer
- vor 4 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Mein Mann und ich stehen abends zusammen in der Küche und bereiten das Abendessen vor. Er stellt mir eine Frage und ich antworte kurz, knapp und mit etwas gereizter Stimme. Er sagt nichts dazu.

Später, beim Essen, entschuldige ich mich: Es war nicht meine Absicht, ihn so anzufahren. Er nimmt die Entschuldigung an und bedankt sich.
Ein wenig später fragt er mit einem kleinen Lächeln:„Sag mal, ging es eben wirklich um die Butter oder steckte da etwas anderes dahinter?“
Dass wir solche Momente heute so ruhig besprechen können, ist nicht selbstverständlich. Früher wären wir in dieser Situation wahrscheinlich in einem völlig unnötigen Streit gelandet über etwas, das eigentlich gar nicht das Problem war.
In Blogs und Podcasts bin ich immer wieder auf das Bild eines „Wetterberichts“ gestossen. Mich spricht jedoch eine andere Metapher noch mehr an: der persönliche Energie-Akkustand. So wie sich beim Handy der Akku im Laufe des Tages entlädt, sinkt auch unsere eigene Energie. Manchmal stehen wir am Abend gefühlt bei 3 % und sollen dann noch den Kindern gerecht werden, den Haushalt stemmen und dabei freundlich bleiben. Kein Wunder, dass wir in solchen Momenten schneller gereizt reagieren.
Der Gedanke dahinter ist simpel, aber wirkungsvoll: Wenn ich weiss, wie viel Energie mein Partner noch hat, kann ich Rücksicht nehmen, Erwartungen anpassen oder Aufgaben übernehmen.Nicht, weil jemand „schlecht drauf“ ist, sondern weil der Akku fast leer ist.
Eine einfache Routine kann dabei helfen: Kurz bevor man sich sieht, ein kleines Update schicken. Keine langen Erklärungen, keine Rechtfertigungen. Ein paar Worte oder eine Zahl reichen völlig. Zum Beispiel: „Nach diesem Tag bin ich noch bei 45 %.“
So weiss der andere bereits, woran er ist. Und aus einem müden Seufzer wird nicht automatisch ein Konflikt.
✨ Probier es aus:
Schick deinem Partner heute eine kurze Nachricht mit deinem Akkustand.
Und beobachtet gemeinsam, wie sich euer Abend verändert.
Später am Abend oder am nächsten Morgen könnt ihr darüber sprechen, was dazu geführt hat, dass der Akku so leer wurde. Im ersten Moment soll diese Technik jedoch entlasten: nicht erklären zu müssen, nicht rechtfertigen zu müssen, sondern einfach heimkommen zu dürfen und vom Partner abgeholt zu werden. So entsteht Raum zum Durchatmen, bevor Worte nötig sind. Denn Verständnis wächst oft nicht aus schnellen Erklärungen, sondern aus dem Gefühl, gesehen zu werden, genau dort, wo gerade kaum noch Energie übrig ist.
Manchmal sind es nicht die grossen Gespräche, die Nähe schaffen, sondern die kleinen Gesten, die sagen: „Ich sehe dich und ich nehme Rücksicht auf dich.“







Kommentare