top of page

Warum wir wieder lernen sollten, zuzuhören

Ich war letztens in einem Meeting bei der Arbeit.  Ich wollte eine Idee zur vorstellen. Kaum beginne ich zu reden, werde ich mehrfach von derselben Person unterbrochen. Mehrmals bitte ich: „Warte kurz.” "Lass mich ausreden.“ Doch ich komme kaum zu Wort. Als ich schliesslich fertig bin, sehe ich der Person an, dass sie nur darauf wartet, meine Idee zu kritisieren. 🤯

Und ich frage mich: Was ist mit unserem Zuhören passiert?



Ich spreche hier auch zu mir, wenn ich das schreibe. Auch ich ertappe mich dabei, ungeduldig zu werden, wenn jemand lange redet, weil ich doch endlich meine eigene Meinung sagen oder von mir erzählen möchte. Aber ist meine Meinung wirklich immer so wichtig?


Da fiel mir ein Satz aus meiner Ausbildung an der Akademie für Individualpsychologie ein. Damals klang er für mich nett, aber theoretisch. Heute weiss ich, wie praktisch er ist.

Alfred Adler, der Gründer der Individualpsychologie, sagte: „Mit den Augen des anderen sehen, mit den Ohren des anderen hören und mit dem Herzen des anderen fühlen.“

Er meinte damit: Versuche, die Welt für einen Moment so wahrzunehmen, wie der andere sie erlebt. Das ist für ihn der Kern von Empathie und die Grundlage jeder gesunden Beziehung.

Wahres Zuhören heisst nicht nur, Worte zu hören, sondern auch die Gefühle dahinter zu verstehen. Genau das vermisse ich heute oft.


Vielleicht liegt es daran, dass uns beigebracht wird, vor allem auf unsere eigenen Bedürfnisse zu achten. Wir müssen dafür kämpfen, dass wir gesehen und gehört werden, denn wir alle brauchen Anerkennung von Aussen.


„Dieses Bedürfnis nach Anerkennung ist menschlich, wie Dieter Wartenweiler schreibt, es entspricht unserer Natur als Gemeinschaftswesen.“ (Männer in den besten Jahren. Von der Midlife-Crisis zur gereiften Persönlichkeit. Kösel, München 1998)


Doch wenn dieses Bedürfnis Überhand gewinnt, trampeln wir alles nieder, was uns im Weg steht. Wir verlieren die Nähe zueinander und ziehen uns in unsere eigene Welt zurück. 


Damit Beziehungen funktionieren, braucht es Interesse, Verständnis, Empathie. Es beginnt damit, dass wir wieder lernen, einander zuzuhören, zu sehen und wahrzunehmen. Es geht nicht immer nur um dich! Aber auch du hast in der Gemeinschaft deinen Platz und darfst dich einbringen.


👂Deine Zuhör-Challenge:

Beim nächsten Gespräch, egal ob privat oder im Job - hör einfach nur zu.

Keine Einwände, keine gedanklichen Gegenargumente, kein „Ja, aber…“. Stell dir vor, du hörst mit den Ohren des anderen, als wärst du in seinem Kopf. Erst wenn die Person fertig ist, überlege dir, was du sagen möchtest.

Du wirst überrascht sein, wie sich das Gespräch verändert und wie sich dein Gegenüber fühlt.


Zuhören ist eine Kunst. Es kostet dich nichts ausser etwas Geduld. 😅

 
 
 

Kommentare


bottom of page