Warum Teilen mehr ist als Dampf ablassen
- Monika Wittwer
- 26. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

Letztens bin ich in einem Blog auf einen Satz gestossen, der mich zum Nachdenken gebracht hat: Manchmal laden wir unsere Erlebnisse und den Frust des Tages bei unserem Partner ab, in der Hoffnung, einfach „alles loszuwerden“ und uns dadurch zu entlasten, ohne zu merken, dass wir dabei manchmal Verbindung verlieren.Die unausgesprochene Erwartung dahinter: „Jetzt bist du dran – schau, wie du damit klarkommst.“
Ich fragte mich: Mache ich das auch?Ja. Oft komme ich abends nach Hause und erzähle von meinem Tag, meistens sehr detailliert über die frustrierenden oder stressigen Erlebnisse. Dabei nehmen diese Geschichten sehr viel Raum und Zeit ein. Aber was will ich damit eigentlich sagen? Will ich nur Dampf ablassen oder auch Verbindung schaffen?
Auf der Suche nach einer anderen Art, miteinander über den Tag zu sprechen, erinnerte ich mich an eine Übung aus unserem Freundeskreis: Jeder teilt ein Highlight und ein Lowlight des Tages. Dabei ist es wichtig, dass man ohne Highlight kein Lowlight teilen darf.
So haben wir begonnen, diese Übung regelmässig beim Abendessen zu machen. Das hat unsere Gespräche spürbar verändert: Sie sind ausgeglichener, offener und positiver geworden. Jeder kommt zu Wort. Aus dem einseitigen „Abladen“ ist ein echter Dialog geworden.
Warum das wirkt:
In einer Partnerschaft geht es beim Erzählen nicht nur darum, den eigenen Frust loszuwerden, sondern darum, in Verbindung zu bleiben. Wirkliche Nähe entsteht dann, wenn beide sich gesehen fühlen, nicht nur derjenige, der gerade spricht.
Der Psychologe Alfred Adler hat diese Haltung einmal so beschrieben:„Mit den Augen des anderen sehen, mit den Ohren des anderen hören und mit dem Herzen des anderen fühlen.“
Übertragen auf eine Beziehung bedeutet das: Ich erzähle nicht nur, was mich beschäftigt, sondern ich lasse auch Raum dafür, wie es dir geht. Wenn wir abends nach Hause kommen und unseren Tag ungefiltert beim Partner „abladen“, kann schnell ein Ungleichgewicht entstehen. Einer spricht, der andere hört zu, oft erschöpft, manchmal überfordert.
Rituale wie das Teilen von einem Highlight und einem Lowlight schaffen hier einen bewussten Rahmen. Sie erinnern uns daran, dass wir nicht zwei einzelne Monologe führen, sondern ein gemeinsames Gespräch. So wird aus Frust mitteilen wieder ein Miteinander, aus Zuhören eine Form von Zuwendung und aus Alltagsgesprächen ein Ort, an dem Beziehung wachsen kann.
Action Point:
Vielleicht hast du heute Abend schon die Gelegenheit, es auszuprobieren.Statt einfach drauflos zu erzählen, nimm dir bewusst Zeit für ein Highlight und ein Lowlight und lade dein Gegenüber ein, das Gleiche zu tun.
Du wirst merken:
🌱 Gespräche werden leichter.
💬 Jeder kommt zu Wort.
🤝 Und ihr lernt, den Tag nicht nur aus eurer eigenen, sondern auch aus der Sicht des anderen zu sehen.
Zuhören ist mehr als Warten, bis man selbst reden kann. Es ist ein Geschenk.
Und genau wie jedes Geschenk wirkt es am meisten, wenn man es teilt.







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